Das Deutschlandlied

Das Deutschlandlied ist im Sommer 1841 entstanden, also zu einer Zeit, in der es gar keinen deutschen Gesamtstaat gab. Geschrieben wurde es auf Helgoland, damals zum Britischen Empire gehörend. Die Melodie zum Text war die der “Kaiserhymne” des Wiener Hofmusikers Joseph Haydn (1732 – 1809), der diese Volkshymne zu Ehren des letzten Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., 1796/97 komponierte. Das “Lied der Deutschen” drückt in seinem Text die Sehnsucht nach einem damals als utopisch erscheinenden Ende der Kleinstaaterei und einem Deutschen Nationalsaat aus.

Helgoland, Entstehungsort des Deutschlandliedes

Helgoland, Entstehungsort des Deutschlandliedes

Auf dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches bestanden nämlich seit dem Wiener Kongress 1815, der nach dem Ende des napoleonischen Kaiserreichs die Neuordnung Europas regelte, ein Flickenteppich aus fast vierzig Einzelstaaten, ohne einheitliche Währung, Verwaltung oder einem gemeinsamen Staatsoberhaupt. Radikale Demokraten und Freisinnige (Vorgänger der Liberalen), zu denen auch der Komponist Heinrich Hoffmann von Fallersleben gehörte, forderten von den Monarchen einen einheitlichen Deutschen Staat.

Veröffentlicht wurde das Deutschlandlied bereits kurz nach seiner Entstehung im September 1841 in Hamburg. Dort wurde es im Oktober desselben Jahres auch zum ersten Mal öffentlich aufgeführt, zu Ehren des badischen liberalen Politikers Carl Theodor Welcker. Seinem Erschaffer brachte es wenig Glück: weil von der Obrigkeit der Text des Deutschlandliedes als “revolutionär” eingestuft wurde, verlor Hoffmann seine Professur als Germanistiker und sogar seine preußische Staatsbürgerschaft.

Das Deutschlandlied fand seinen Einzug in zahlreiche Lieder- und Musikbücher, ein “Copyright” gab es damals noch nicht – dadurch geriet es nicht in Vergessenheit. Dennoch war es nur ein patriotisches Lied unter vielen, daran änderte auch die Reichsgründung von 1871 nichts. Eine offizielle Hymne gab es nicht, bei offiziellen Anlässen wurde “Heil Dir im Siegerkranz” gespielt. 1890 wurde das Deutschlandlied bei der Übernahme von Helgoland offiziell aufgeführt. Erst am 11. August 1922 erklärte der neue Reichspräsident Friedrich Ebert Melodie und Text des Deutschlandliedes mit allen drei Strophen zur deutschen Nationalhymne. Die später inoffizielle vierte Strophe, die „Trotzstrophe“, war seit 1921 vor allem bei Aufmärschen der Deutschnationalen beliebt.

Die Nazis behielten nur die erste Strophe des Deutschlandliedes als offizielle Hymne bei, immer gefolgt vom “Horst-Wessel-Lied”. Nach dem Ende des Krieges wurde es verboten. Illegal wurde das Lied 1948 bei einer Veranstaltung der „Deutschen Reichspartei“ gespielt. Die deutsche Bundesregierung tat sich schwer mit dem etablieren eines neuen Deutschlandliedes. Erst 1952 wurde die dritte Strophe des alten Deutschlandliedes nach einem Briefwechsel zwischen Bundeskanzler Adenauer und Bundespräsident Heuss zur Nationalhymne erklärt. Und 1991, nach einem erneuten Briefwechsel zwischen Präsident (von Weizsäcker) und Kanzler (Kohl) wurde diese dritte Strophe wieder zur Nationalhymne eines vereinten Deutschlands erhoben.

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